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After-Work-Nudelparty bringt Arbeitsmarktpartner zusammen.

 

 

Katholische Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V.                    

Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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Presseinformation

Regensburg, den 7. Februar 2014

 

After-Work-Nudelparty bringt Arbeitsmarktpartner zusammen.

Ihr Thema: Mehr Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung in der Region.

 

 

Der Regionalstellenleiter des ZBFS (Zentrum Bayern Familie und Soziales) Günther Lange rührt, probiert, verfeinert – noch ein Schuss Pastis, ausgesuchte Gewürze, Knoblauch kommen zu den Garnelen, die sich mit Sellerie zu einer ausgezeichneten Pasta-Sauce vereinen. Das Lob der Gäste ist ihm und den anderen beiden Köchen, Stefan Pusch und Thomas Kammerl, sicher. Bei einer „After-Work-Nudelparty" bekochten sie Unternehmer/innen und Vertreter/innen aus sozialen Einrichtungen, der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter Stadt Regensburg und dem Integrationsamt.

 

Gastgeber Stefan Pusch von KÜCHE AKTIV hatte eingeladen und den Veranstaltungsraum zur Verfügung gestellt. Die Zutaten für die Pasta steuerte Martina Kögl, Inhaberin der Ökokiste Kößnach bei, Geschäftsführer Ralph Brauer von Augenoptik Brauer unterstützte die Aktion finanziell. Beiden gemeinsam ist das Interesse an der Inklusion, der gleichberechtigten und selbstbestimmten Teilhabe von Menschen mit Behinderung. Projektleiter Thomas Kammerl von „Regensburg inklusiv" und Alex Müller, Inhaber von Bureau 2+, die diese etwas andere Veranstaltung auf die Beine stellten, zeigten sich zufrieden: „Essen hält ja bekanntlich Leib und Seele zusammen und hat in diesem Falle Menschen zusammengebracht, die sich engagieren wollen."

 

Das von Aktion Mensch geförderte Projekt „Regensburg inklusiv" der Katholischen Jugendfürsorge, der Stadt Regensburg und der Ostbayerischen Technischen Hochschule möchte dazu beitragen, dass alle Menschen in Regensburg gleichberechtigt an allen Lebensbereichen teilhaben können.

 

 

Gute Chancen?

 

Wie kann Inklusion auf dem ersten Arbeitsmarkt gelingen? Diese Frage erörterten die Gäste, darunter die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Regensburg Gabriele Anderlik, die Geschäftsführerin des Jobcenters Stadt Regensburg Birgitt Ehrl und der Leiter des Integrationsamtes Erich Bierler. Aus Sicht von Gabriele Anderlik haben sich die Chancen für Menschen mit Behinderung verbessert. Sie räumt allerdings ein: „Die Situation ist noch nicht so, wie ich es mir, bei dem ausgesprochenen und tatsächlich vorhandenen Fachkräftemangel, wünsche. Da gibt es noch zu viele Barrieren in den Köpfen." Birgitt Ehrl bestätigt: „Generell herrscht im Bereich von Stadt und Landkreis Regensburg zurzeit eine günstige Arbeitsmarktlage. So finden auch Personen Arbeit, die bei schlechteren Verhältnissen keine Chance bekommen."

 

 

Vorurteile und Informationsdefizite sind Barrieren

 

Günther Lange machte deutlich, dass Vorurteile die Integration erschwerten: „Eines der Hauptvorurteile sei: „Beschäftige ich einen schwerbehinderten Menschen, dann werde ich ihn nicht so schnell wieder los. Aber das stimmt nicht. Passt man nicht zusammen, gibt es Möglichkeiten sich zu trennen." Langes Anliegen ist es, in einer konzentrierten Aktion - Integrationsamt, KJF, Verband der Bayerischen Wirtschaft - etwas für die Teilhabe am Arbeitsleben zu bewegen. „Wir wissen, unser Anspruch ist hoch. Es gibt aber schon gute Beispiele in der Oberpfalz und in Niederbayern, die zeigen, dass sich Inklusion verwirklichen lässt, wenn ein gemeinsamer Wille da ist."

 

IHK-Geschäftsführer Winfried Mellar engagiert sich bei „Regensburg inklusiv". Er beklagt das fehlende Knowhow in den Firmen. Deshalb will er einen „flammenden Appell" in der IHK-Zeitschrift veröffentlichen, die monatlich 40.000 Betriebe in Niederbayern und der Oberpfalz erreicht. „Menschen mit Behinderung sind wertvolle Mitarbeiter – das ist unsere Botschaft", so Mellar, „wir wollen den Unternehmen konkrete Wege aufzeigen und professionelle Ansprechpartner nennen." Ein Wegweiser für die Unternehmer soll außerdem herausgeben werden.

 

 

Lokales Bündnis für einen inklusiven Arbeitsmarkt: Alle sind gefragt.

 

Die Macher und Mitmacher von „Regensburg inklusiv" wollen etwas bewegen. So stellte Rolf-Dieter Frey, Leiter der Lebenshilfe-Werkstätten in Lappersdorf, die Regensburger Erklärung „Lokales Bündnis für einen inklusiven Arbeitsmarkt" vor. Das erklärte Ziel ist es, gemeinsam mit Repräsentanten des politischen, kirchlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens neue Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung zu erschließen.

 

Continental-Personalleiter Michael Staab sieht die gesamte Belegschaft eines Unternehmens in einer verantwortungsvollen Schlüsselrolle, wenn es um die Inklusion geht. „Wir haben eine große Anzahl von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen beschäftigt. Daraus entstehen vielfältige Kontakte und Beziehungen auch im privaten Bereich. Wichtig dabei sind die Kollegen und Führungskräfte, die das mittragen." Continental vergebe Aufträge an Integrationsfirmen, arbeite mit der Katholischen Jugendfürsorge zusammen, mit dem Integrationsamt und biete Praktika für Interessierte mit einer Behinderung an. „Es ist uns wichtig, unterschiedliche Projekte mit mehreren Partnern zu fahren", so Staab weiter.

 

Ähnliches gilt für die Osram Opto Semiconductors GmbH Regensburg. Der Personalleiter Peter Walser berichtet von 70 beschäftigten Schwerbehinderten oder Gleichgestellten, von der Auftragsvergabe an Behindertenwerkstätten und Integrationsfirmen. Retex ist eine der Integrationsfirmen, die Aufträge von Continental und Osram ausführt. Retex-Geschäftsführer Helmut Endl betont die Notwendigkeit des Angebots: „Wir arbeiten mit psychisch kranken Menschen. Es ist besonders schwierig, sie in den ersten Arbeitsmarkt zurückzubringen. Denn sie sind zuvor im Arbeitsprozess krank geworden. Viele von ihnen wollen und können nicht mehr auf den ersten Arbeitsmarkt zurück."

 

Doch wie sieht es mit Arbeitnehmern aus, die mit entsprechender Unterstützung eine echte Chance hätten? Manina Sobe, Leiterin des Integrationsfachdienstes der Oberpfalz meint: „Wir vom Integrationsfachdienst würden uns ausreichend finanzielle Mittel für die Jobcenter wünschen, damit wir mehr beeinträchtigte Menschen unterstützen können. Freuen würde uns auch, wenn gerade die großen Unternehmen auf uns zukämen, um Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen eine Chance zu geben. Es gibt viele Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten, über die wir schnell und unverbindlich aufklären können."

 

Integrationsfirmen sind Bestandteil eines inklusiven Arbeitsmarktes, ebenso wie die Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM). Hubert Schmalhofer, Leiter der lernwerkstatt, einer Rehabilitationseinrichtung der KJF, und Geschäftsführer der Integrationsfirma labora sieht Handlungsbedarf: „Die Rahmenbedingungen für die Integrationsfirmen sind zu verbessern. Seit Jahren ist es leider nicht gelungen, die Förderrichtlinien für die Integrationsfirmen anzupassen. Sie stehen vor vielfältigen Problemen und es ist keine Veränderung in Sicht."

 

 

Ein Wort des Gastgebers zu guter Letzt.

 

„Mir ist es wichtig, in einer Stadt zu leben, die sich für soziale Themen interessiert. Wenn ich als Unternehmer und heute als Gastgeber dazu ein wenig beitragen kann, indem ich Menschen zusammenbringe, die sich über die Inklusion austauschen, dann freut mich das", meint Stefan Pusch. „Ich habe den Eindruck gewonnen, dass wir in einer Stadt leben, in der Inklusion eine gute Bedeutung hat."

 

Text: Christine Allgeyer

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